31. Mai 2017
Das häusliche Arbeitszimmer – wieviel ist steuerlich abziehbar?

Wer von zu Hause aus arbeitet und für diesen Zweck ein häusliches Arbeitszimmer eingerichtet hat, steht vor der Frage ob und wenn ja in welcher Höhe die dafür anfallenden Kosten steuerlich geltend gemacht werden können. Dieses Thema ist ein „Dauerbrenner“ bei den Steuerpflichtigen, den Finanzbehörden und auch den Finanzgerichten. So entschied jüngst der Bundesfinanzhof, dass auch Selbstständige die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer unter bestimmten Voraussetzungen abziehen können.

Grundsätzlich sind die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer samt der Kosten der Ausstattung für Selbstständige oder Gewerbetreibende als Betriebsausgaben bzw. für Arbeitnehmer als Werbungskosten abziehbar. Voraussetzung dafür ist, dass das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet oder für die betriebliche/berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Dabei kann die Höhe der abziehbaren Aufwendungen auf einen Betrag von € 1.250,00 begrenzt sein. Dies ist der Fall, wenn zwar kein anderer Arbeitsplatz für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit zur Verfügung steht, aber das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet.

Was auf den ersten Blick eindeutig erscheint, mündete in der Vergangenheit in einer Vielzahl von Einzelfallentscheidungen der Finanzgerichte sowie des Bundesfinanzhofs.

So entschied jüngst der Bundesfinanzhof, dass bei einem Selbstständigen nicht jeder Schreibtischarbeitsplatz in seinen betrieblichen Räumen zwangsläufig „einen anderen zur Verfügung stehenden Arbeitsplatz“ darstellt (BFH, Urteil v. 22.02.2017 – III R 9/16).

Konkret ging es um einen selbstständigen Logopäden, der über Praxisräume verfügte, die mit einem Schreibtischarbeitsplatz ausgestattet waren. Für Verwaltungsarbeiten nutzte dieser jedoch sein häusliches Arbeitszimmer. Dass der Mittelpunkt seiner gesamten Tätigkeit nicht das häusliche Arbeitszimmer darstellte, war unstrittig. Allerdings war der Steuerpflichtige der Auffassung, dass ihm kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stehe und er deshalb den Höchstbetrag in Höhe von € 1.250,00 als Betriebsausgaben für das häusliche Arbeitszimmer abziehen könne. Begründet hatte er dies unter anderem damit, dass die in den Praxisräumen vorhandenen Schreibtischarbeitsplätze durch andere Angestellte genutzt werden würden und somit vertrauliche Daten dem Zugriff der Angestellten ausgesetzt seien. Das Finanzamt verneinte dies unter der Auffassung, dass der Schreibtischarbeitsplatz in den Praxisräumen „einen anderen zur Verfügung stehenden Arbeitsplatz“ darstelle und hatte insofern den Abzug der Kosten als Betriebsausgaben nicht anerkannt.

Wie die Vorinstanz (FG des Landes Sachsen-Anhalt, Urteil vom 01.03.2016 – 4 K 362/15) war auch der Bundesfinanzhof der Auffassung, dass im konkreten Einzelfall aufgrund der Nutzung der Räumlichkeiten durch weitere Angestellte die erforderliche Vertraulichkeit der für die Bürotätigkeit erforderlichen Unterlagen nicht gegeben sei und damit die Nutzung des Arbeitsplatzes in den Praxisräumen unzumutbar sei. Insofern stehe dem Steuerpflichtigen tatsächlich kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. Der Höchstbetrag in Höhe von € 1.250,00 könne als Betriebsausgaben für das häusliche Arbeitszimmer geltend gemacht werden.

Im Rahmen dieser Entscheidung sollte berücksichtigt werden, dass es sich um eine Einzelfallentscheidung handelt. In der Regel wird es einem Selbstständigen – im Gegensatz zu einem Arbeitnehmer – frei stehen, die Einrichtung seiner Betriebsräume und deren Nutzung, auch außerhalb der Betriebszeiten, zu gestalten. Fest steht jedoch, dass im Rahmen der Geltendmachung von Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer eine Vielzahl von Einzelfallentscheidungen vorliegt. Insofern lohnt es sich, unter Umständen entsprechende Sachverhalte näher zu prüfen.

Falls Sie hierbei im Rahmen Ihrer Einkommensteuererklärung Beratung oder Unterstützung benötigen, stehen wir Ihnen selbstverständlich zur Verfügung und beantworten Ihre Fragen gern.

Franziska Töbelmann
M. Sc., Steuerberaterin