18. September 2017
Die Bachelorarbeit – eine andere Form des 400-m-Hürdenlaufens

Die Bachelorarbeit schien das ganze Studium über in weiter Ferne. Doch eines Morgens wachte ich auf und da war sie auf einmal in aller Munde, die Bachelorarbeit, wie aus dem Nichts … Während des fünften Theoriesemesters wurde das Wort „Bachelorarbeit“ zum meist gefürchteten Wort überhaupt. BACHELORARBEIT, egal wer es aussprach oder auch nur wagte, dieses Wort in den Mund zu nehmen, erntete böse, verzweifelte oder panische Blicke der Studierenden. Wie sollte das nur jemals gut gehen?! Wie sollten wir alle ein Thema finden, das sich sowohl in der Theorie gut bearbeiten und dann gleichzeitig noch auf ein internes „Problem“ unserer Kooperationsbetriebe anwenden ließe, um dieses dann auch noch zu lösen …?! BACHELORARBEIT, wenn man sich das Wort auf der Zunge zergehen lässt, klingt das ganz schön bedrohlich … BACHELORARBEIT, sachlich betrachtet sind dies auch nur 14 aneinander gereihte Buchstaben, die zufällig ein Wort ergeben.

Mit Beginn der fünften Praxisphase wurde es dann aber so richtig ernst. Ich fühlte mich ein bisschen wie vor einem Rennen über 400 m Hürden. Schon vor dem Startschuss bleibt einem die Luft weg, panische Gedanken, wie diese Rennstrecke gemeistert werden sollte, und Vorfreude auf das Rennen (schließlich hat man schon viel Engagement, Energie und Leidenschaft aufgebracht, um überhaupt bis zur Startlinie zu kommen), wechselten sich ständig ab. Was sollte schon passieren? Die Betreuer standen fest, sowohl der von Seiten der HSBA als auch bei DP. Nur das Thema musste noch etwas genauer abgegrenzt werden. Es sollte eine Kombination aus Insolvenzrecht, Steuern und internen Prozessen werden. Gute Voraussetzungen, das Rennen zu laufen. Also: „Auf die Plätze, fertig, los!“ Doch schon beim Start kam ich leicht ins Straucheln. Ein kurzfristiger Wechsel auf Seiten des DP-Betreuers musste vorgenommen werden. Dieser lief dann aber doch problemloser ab, als ich gedacht hätte. In den ersten Treffen mit dem HSBA-Betreuer musste ich mir etliche Male anhören, das Thema noch konkreter zu fassen, mich noch mehr zu fokussieren, das Thema noch stärker einzugrenzen und gleichzeitig über mögliche Erweiterungen nachzudenken. Doch nicht so einfach wie gedacht … Das brachte mich fast zur Verzweiflung, es war, als wenn man schon die erste Hürde leicht touchierte. Nachdem dann aber das Thema nach gefühlt tausend Änderungen endlich feststand, konnte es richtig losgehen. Es sollte um „Wissensmanagement im Insolvenzsteuerrecht – Konzeption eines Analyseinstruments zur Dokumentation von Erfahrungswissen bei Insolvenzfällen“ gehen und das alles am Beispiel der Umsatzsteuer. Also ab in die Bibliotheken – Literatur finden und wälzen. Es ging voran, die nächsten Hürden (= Literaturrecherche, Experteninterviews etc.) konnten ohne größere Probleme genommen werden. Ich hatte das Glück, einige Wochen zum Schreiben der Bachelorarbeit freigestellt zu werden und einen freien Raum im Büro zu bekommen, in dem ich all meine Sachen ausbreiten konnte. Die gemeinsamen Mittagessen und kleinen Plausche auf dem Flur mit den Kollegen waren immer wieder eine schöne Abwechslung. Ab und zu steckte der eine oder andere auch mal den Kopf bei mir zur Tür herein, um mich mit ein paar aufmunternden Worten zu überraschen, mir Mut zuzureden oder einfach nur nachzugucken, ob ich noch nicht unter der ganzen Literatur untergegangen war. Danke nochmal an alle für das Mitfiebern und die Unterstützung. Das war großartig!!!

Die Zeit verging wie im Flug und obwohl ich ganz gut vorankam, gab es auch Tage, an denen das Schreiben der Bachelorarbeit einfach nicht so funktionieren wollte, wie ich es mir vorgestellt hatte. Insbesondere das Korrekturlesen wurde zur ganz schönen Tortur. Ob das wohl wirklich alles so richtig war, was man da geschrieben hatte, und ob es den Ansprüchen des Prüfungsamtes genügte? Irgendetwas ganz Wichtiges vergessen?? Leichte Panik kam auf. Ungefähr so fühlt es sich auch nach gerannten 200 m an. Die erste Hälfte war mittlerweile überstanden. Die Kraft ließ nach, aber es standen ja noch einige Hürden vor einem. Also tief durchatmen, Ruhe bewahren und weiter laufen, es half ja alles nichts … Die folgenden 100 m werden anschließend wieder leichter, schließlich kommt nach einem kurzen Tief wieder ein Hoch 😉 und das Ziel immer näher. Nachdem meine Bachelorarbeit diverse Korrekturlesungen überstanden hatte und ich sie abgeben konnte, half nichts außer Abwarten. Die Spannung stieg mit jeder Woche, die verging und noch keine Rückmeldung von der HSBA vorlag. Mittlerweile fühlte ich mich wie auf den letzten 100 m eines 400-m-Hürdenlaufes. Die letzten 100 m waren immer die schwersten. Das Ziel war schon in greifbarer Nähe, doch sowohl die Beine als auch die Psyche wollen sich am liebsten keinen Zentimeter mehr nach vorne bewegen. Ein Rennen entscheidet sich nun mal immer erst auf der Zielgeraden. So mancher Läufer, der sich schon als sicherer Sieger fühlte, erlebte so manche böse Überraschung … Nur die Ruhe bewahren, immer schön auf das Ziel fokussieren. Und dann war es endlich da, das Ergebnis des schriftlichen Teils der Bachelorarbeit: BESTANDEN, ein Glück. Ein kurzer Moment der Euphorie. Aber das Rennen war immer noch nicht zu Ende gelaufen. Die letzte Hürde in Form der mündlichen Abschlussprüfung (Kolloquium) musste noch überwunden werden … Die Anspannung und leichte Verzweiflung, warum um alles in der Welt jetzt auch noch eine mündliche Prüfung anstehen musste, stieg wieder an. Doch wie auch beim Hürdenlaufen an der letzten Hürde hieß es hier noch einmal: die letzten Kräfte mobilisieren, mit beherzten Schritten auf die Hürde zulaufen und mutig drüberrennen. Jetzt bloß nicht an der Hürde hängenbleiben, bloß nicht stolpern. War das geschafft, hieß es nur noch ab ins Ziel und das Gefühl der Erleichterung genießen, es doch geschafft zu haben. Ein hartes Rennen, das vorher so unmachbar erschien, einiges an Kraft und Mut abverlangte, aber schlussendlich doch gemeistert wurde 🙂 (es war im Endeffekt doch gar nicht so schlimm, wie vorher gedacht 😉 )

Es ist somit vollbracht, Studium bestanden 😉

Annika Klatt