5. Mai 2017
Ein Tag bei Gericht

Im Rahmen meiner letzten Blockung an der iba Hamburg hieß es für uns „Steuernerds“, wie wir liebevoll von unseren Dozenten und Kommilitonen genannt werden: „Wir machen einen Ausflug!“

Die Freude war groß, denn zwei Wochen lang von morgens bis abends in den Vorlesungen zu sitzen, kann ziemlich anstrengend sein.
Unsere Dozentin schlug vor, einen Vormittag zum Finanzgericht Hamburg zu fahren, in dem unter anderem Steuerstrafrechts- und Steuerhinterziehungsfälle verhandelt werden, um uns eine Verhandlung anzuschauen. Was viele nämlich nicht wissen: bei vielen Verhandlungen kann man als „Zuschauer“ teilnehmen, ohne in den Fall verwickelt zu sein. Als wir dort als geschlossene Gruppe ankamen, machte uns der Pförtner darauf aufmerksam, dass wir doch besser auf die andere Straßenseite zum Strafgericht gehen sollten, dort wären die Fälle deutlich spannender.
Gesagt getan. Auf der anderen Straßenseite wurden wir plötzlich von einem Kamerateam überrascht, schnell stellte sich heraus: Diane Kruger drehte einen Film vor dem Justizgebäude. An dem Filmtrubel vorbei, erwartete uns in der Eingangshalle des Gerichts eine Sicherheitskontrolle, wie man sie von Flughäfen kennt.
Mobiltelefone mussten abgegeben werden, sonst bekam man keinen Zutritt.

Als wir die Sicherheitskontrolle erfolgreich passiert hatten, teilten wir uns zu kleinen Gruppen auf und erkundeten das Strafgericht. Innerhalb dessen befindet sich das Amtsgericht und auch das Landgericht. Bei ersterem werden Fälle bis zu einem Streitwert von 5.000,00 € verhandelt, im Landgericht mit einem Streitwert über 5.000,00 €. Ich entschied mich also für eine Verhandlung im Landgericht. Vor den Türen hängen jeweils Informationen zu den Verhandlungen, also wer angeklagt ist, wer der Verteidiger ist und wer die Zeugen sind. Man weiß jedoch nicht, um was es genau bei der Verhandlung geht. Wahllos entschied ich mich für eine Tür und platzte in eine bereits laufende Verhandlung. Es ist zwar legitim, zu jeder Zeit die Verhandlung zu besuchen, jedoch im ersten Moment ziemlich unangenehm.
Angeklagt waren fünf Mitarbeiter einer Fast-Food-Kette, die wegen Unterschlagung angeklagt waren. Jeder der fünf Angeklagten kam mit einem Verteidiger, außerdem waren eine Staatsanwältin, eine Richterin und zwei Schöffen anwesend. Der Gerichtssaal war mit seinen Holzbänken und -pulten ähnlich, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt, nur sehr viel kleiner. Nach zwei Stunden war unsere Zeit abgelaufen, somit bekamen wir leider kein Urteil mehr mit.
Dennoch war der Vormittag super aufregend und der Ausflug zum Gericht auf jeden Fall eine Reise wert!

Julia Schnieders