17. März 2017
Kind aus wilder Ehe

Auch ohne den ausdrücklichen staatlichen oder kirchlichen Segen lässt es sich in einer Partnerschaft mit gemeinsamen Kindern gut aushalten. Im Vorwege der beruhigende Hinweis: Wir werden nicht die Vor- und Nachteile für Kinder aus ehelichen oder anderen Lebensmodellen hier diskutieren. Auch die Erklärung zu der Entstehungsgeschichte dieser Kinder überlassen wir lieber anderen.

Vielmehr stellt sich die Frage, ob nicht vielleicht doch ein kleiner steuerlicher Ausgleich zwischen den Eltern bei wilder Ehe erfolgt. Die schlechte Nachricht vorweg, eine Gleichstellung mit der „normalen“ Ehe, und damit insbesondere der Zusammenveranlagung, können wir nicht verkünden.

In der Praxis gibt es regelmäßig den Fall, dass ein Elternteil sich um das Kind kümmert und zumindest zeitweise keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen kann und z.B. die andere Partnerin voll arbeitet. Die Partnerin stellt das Familieneinkommen sicher. Das macht er/sie zwar meistens aus solidarischen und sozialen Überzeugungen heraus – er/sie ist zu der Unterstützung jedoch auch gesetzlich verpflichtet (vgl. § 1615l BGB). Diese Verpflichtung entsteht, wenn ein Elternteil aufgrund der Schwangerschaft bzw. Pflege und Erziehung des Kindes keiner Erwerbstätigkeit nachgehen kann. Als Zeitrahmen sind insbesondere vier Monate vor und bis zu mindestens drei Jahren nach der Geburt zu beachten.

Diese Nachricht mag jetzt den Freiheitsgedanken der wilden Ehe erheblich konterkarieren… Aber an dieser Stelle wird es für uns auch steuerlich interessant! Zivilrechtliche Unterhaltsverpflichtungen können in der Einkommensteuererklärung im Rahmen der sog. „außergewöhnlichen Belastungen“ bis zu aktuell Euro 8.652,00 abgezogen werden (2016).

Als Nachweis für diese Belastungen könnte der Elternunterhalt z.B. durch monatliche Überweisungen an den Lebenspartner erfolgen. Von besonderer Bedeutung ist folgende Alternative: Ein gemeinsamer Haushalt genügt bereits aus, um den Höchstbetrag (Euro 8.652,00) in Anspruch nehmen zu können. Der Höchstbetrag kann sich sogar noch um die Beiträge zur Krankenversicherung erhöhen.

Ohne weitere Voraussetzungen zu erfüllen, wäre das Vorgehen naturgemäß zu einfach. Daher sind noch insbesondere folgende Bedingungen zu beachten:

  • Es wird ein gemeinsames Kind benötigt.
  • Der Unterhalt zahlende Elternteil ist in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig.
  • Zivilrechtliche Bedürftigkeit ist gegeben.
  • Geringes eigenes Vermögen (< 15.500€)
  • Das eigene Einkommen/Bezüge des Lebenspartners kürzt den Betrag (Euro 8.652,00).
  • Der Abzug wird auf Monatsbasis geprüft.
  • Der unterstützte Lebenspartner gilt nicht selbst noch als steuerlich berücksichtigungsfähiges Kind (Kinderfreibetrag/Kindergeld).
  • Bei Unterhaltszahlungen an Lebenspartner im Ausland kann sich der Höchstbetrag reduzieren

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die wilde Ehe mit gemeinsamen Kindern doch keine unbegrenzte Freiheit bedeutet. Positiv zu vermerken ist, dass der Unterhalt bzw. gemeinsame Haushalt über die Einkommensteuererklärung eine Steuerreduzierung von bis zu rd. Euro 3.800,00 (8.652€ x 44%) erzielen kann.

Florian Schmidt, B.A.
Steuerberater