Bild: © Vege / Fotolia
7. November 2017
Leasingsonderzahlung bei Einnahmen-Überschuss-Rechnung und Nutzungs­änderungen in Folgejahren

Leasing ist gerade bei Firmenwagen eine beliebte Finanzierungsvariante. Die laufenden Leasingzahlungen stellen grds. sofort abzugsfähige Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten dar. Besonderheiten können sich bei Leasingsonderzahlungen ergeben.

Eine Leasingsonderzahlung kann zwar in der Regel ebenfalls sofort in voller Höhe als Betriebsausgabe abgezogen werden. Bei einer späteren Nutzungsänderung ist aber eine Korrektur notwendig.

Leasingsonderzahlungen stellen bei wirtschaftlicher Betrachtung vorausgezahlte Nutzungsentgelte dar. Im Falle der Gewinnermittlung durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung kann bei entsprechender betrieblicher Nutzung des Leasinggegenstands eine Leasingsonderzahlung im Zeitpunkt der Zahlung in voller Höhe als Betriebsausgabe abgezogen werden. Ausnahme: Bei einer Vertragslaufzeit von mehr als fünf Jahren sieht das Einkommensteuergesetz hiervon abweichend eine gleichmäßige Verteilung der Sonderzahlung auf die betroffenen Jahre vor.

Die steuerliche Behandlung der Leasingsonderzahlung wird dadurch komplexer, dass sich in späteren Jahren die Nutzung des Leasinggegenstands ändern kann. Insbesondere beim Kraftfahrzeug-Leasing sind Nutzungsänderungen in nachfolgenden Jahren denkbar: beispielsweise durch Reduzierung der beruflichen Tätigkeit oder sogar durch eine Betriebsaufgabe.

Die OFD Nordrhein-Westfalen hat am 01.09.2016 mit Kurzinformation ESt Nr. 17/2016 dazu Stellung genommen, wie sich insbesondere beim Kraftfahrzeug-Leasing Nutzungsänderungen in nachfolgenden Jahren auf die steuerliche Behandlung der Leasingsonderzahlung auswirken. Für den Betriebsausgabenabzug ist daher sowohl die Nutzung des PKWs im Jahr des Abflusses der Sonderzahlung als auch die zukünftige Nutzung innerhalb des gesamten Leasingzeitraums maßgeblich. Denn würde für einen sofortigen Betriebsausgabenabzug nur auf die Nutzung im Zahlungsjahr abgestellt werden, bleiben nachträgliche Nutzungsänderungen ohne steuerliche Berücksichtigung.

Für den Betriebsausgabenabzug ist daher sowohl die Nutzung des PKWs im Jahr des Abflusses der Sonderzahlung als auch die zukünftige Nutzung innerhalb des gesamten Leasingzeitraums maßgeblich. Zunächst greift das Zufluss-/Abflussprinzip: Über den Betriebsausgabenabzug ist entsprechend den Nutzungsverhältnissen im Zahlungsjahr nach allgemeinen Grundsätzen zu entscheiden: Ein anteiliger Betriebsausgabenabzug ist nur bei einer betrieblichen Nutzung über 10 %, ein vollständiger nur bei über 50 % möglich. Spätere Nutzungsänderungen innerhalb des Zeitraums, für den die Sonderzahlung als Vorauszahlung geleistet wurde, führen dann zur Korrektur des Steuerbescheids des Zahlungsjahres, soweit dieser verfahrensrechtlich noch änderbar ist.

Die Nutzungsänderung gilt nach Ansicht der Finanzverwaltung steuerlich als rückwirkendes Ereignis, womit die Festsetzungsverjährung und eine eventuelle Verzinsung in Form von Nachzahlungs- oder Erstattungszinsen erst ab dem Zeitpunkt der Nutzungsänderung zu laufen beginnen.

Beispiel (in Anlehnung an OFD Nordrhein-Westfalen vom 01.09.2016):

Ab Dezember 2014 wird ein PKW-Leasingvertrag abgeschlossen (Laufzeit 48 Monate). Die Leasingsonderzahlung beträgt € 35.000. Bei Leasingbeginn lag die betriebliche Nutzung bei über 50 %, sodass ein Betriebsausgabenabzug von € 35.000 geltend gemacht wurde. Im Januar 2017 – nachdem die Einkommensteuerfestsetzung für 2014 bereits erfolgt ist – kam es zu einer Nutzungsänderung (betriebliche Nutzung unter 10 %).

Wegen der geänderten Nutzung ist der anteilige Betriebsausgabenabzug in 2014 rückwirkend um € 16.770 (23/48 von € 35.000) zu kürzen.

Da aus einer Nutzungsänderung eines Firmenfahrzeugs Steuernachzahlungen resultieren können, empfiehlt sich, die steuerlichen Effekte im Vorhinein prüfen zu lassen.

Manuel Beecken, Fachberater für das Gesundheitswesen (DStV e. V.)
B.A., Steuerberatin