18. Juli 2017
Studenten in der betrieblichen Abrechnungspraxis – Praktikanten

Praktika bieten nicht nur Studenten die Möglichkeit, praktische Erfahrungen im späteren Beruf zu sammeln, sie bieten auch den Unternehmen frühzeitig die Möglichkeit, Ausschau nach geeigneten potenziellen Arbeitnehmern zu halten.

Umso wichtiger ist die korrekte steuer- und sozialversicherungsrechtliche Behandlung von Praktikanten. Im Folgenden beleuchten wir die sozialversicherungsrechtliche Behandlung von Studenten in Praktika.

Als Praktikanten bezeichnet man im Gegensatz zu den beschäftigten Studenten solche Personen, die eine berufspraktische Tätigkeit verrichten, die im Zusammenhang mit dem jeweiligen Studium steht.

Zu unterscheiden ist dabei nach

vorgeschriebenen Praktika, die während des laufenden Studiums absolviert werden (Zwischenpraktika),
Praktika, die als Zulassungsvoraussetzung vor dem eigentlichen Beginn des Studiums zu erbringen sind (Vorpraktika) und
Praktika, die im Anschluss an das Studium zu erbringen sind (Nachpraktika).

Lohnsteuerliche Behandlung

Das Entgelt von Praktikanten ist grundsätzlich steuerpflichtig und nach den individuellen Lohnsteuerabzugsmerkmalen des jeweiligen Studenten abzuführen.

Sozialversicherungsrechtliche Behandlung

Das Entgelt eines Studenten, der an einer Hochschule oder Fachhochschule eingeschrieben ist und ein in der Studien- oder Prüfungsordnung vorgeschriebenes Zwischenpraktikum absolviert, ist, unabhängig von der Höhe und der geleisteten Arbeitszeit, sozialversicherungsfrei.

Aber Vorsicht: Lassen Sie sich von dem Studenten eine Bestätigung der Hochschule geben, dass das Praktikum in Ihrem Unternehmen tatsächlich die Anforderungen der Studienordnung erfüllt und auf das Studium angerechnet wird. Diesen Nachweis verlangt die Deutsche Rentenversicherung im Rahmen der Betriebsprüfung.

Praktikanten, die ein vorgeschriebenes Vor- oder Nachpraktikum ableisten, sind grundsätzlich sozialversicherungspflichtig. Die Regelungen zu den geringfügig Beschäftigten gelten im Übrigen nicht für diesen speziellen Kreis der Praktikanten. Die Beiträge berechnen sich somit immer aus dem tatsächlich gezahlten Entgelt.

Bitte beachten: Wird kein Entgelt gezahlt, besteht dennoch Melde- und Beitragspflicht in der Renten- und Arbeitslosenversicherung. Die Beiträge werden anhand eines fiktiven Entgelts berechnet. Die Bemessungsgrundlage ist dann 1 % der monatlichen Bezugsgröße. Die zu entrichtenden Beiträge sind somit also überschaubar.

Gut zu wissen: Für Praktikanten, die ein in einer Schul-, Ausbildungs- oder Studienordnung vorgeschriebenes Praktikum absolvieren, ist der jeweils gültige Mindestlohn nicht zu zahlen!

Sabine Boldt, Steuerfachangestellte, Personalfachkauffrau