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30. Januar 2018
Update 2018 aus steuerlicher Sicht

„The same procedure as every year“ – diese Aussage gilt auch für den Steuerbereich. Wie jedes Jahr hält auch 2018 einige Neuerungen für die Steuerpflichtigen bereit. Folgende Steueränderungen sind mit dem 01.01.2018 in Kraft getreten:

Erhöhung des Kindergeldes, des Kinderfreibetrags und des Grundfreibetrags:

Während das Kindergeld um € 2,00 monatlich je Kind erhöht wird, steigt der Kinderfreibetrag in 2018 auf € 4.788,00 und der Grundfreibetrag auf € 9.000,00.

Wichtig ist, dass ab dem 01.01.2018 Kindergeldanträge nur noch für sechs Monate rückwirkend gestellt werden können, und nicht mehr innerhalb der 4-jährigen (steuerlichen) Festsetzungsverjährung.


Sofortabschreibungen:

Die bisherige Wertgrenze für die Sofortabschreibung auf geringwertige Wirtschaftsgüter wurde von € 410,00 auf € 800,00 erhöht.

Des Weiteren wurde der untere Grenzwert zur Bildung eines Sammelpostens von € 150,00 auf € 250,00 angehoben, der obere liegt unverändert bei € 1.000,00.


Betriebsrentenstärkungsgesetz: Verbesserung der betrieblichen Altersvorsorge

Die betriebliche Altersvorsorge soll zukünftig gestärkt werden. Zu diesem Zweck gelten ab 2018 u.a. die folgenden Regelungen:

  • Die Grundzulage der Riester-Rente wird erhöht, von € 154,00 auf € 175,00.
  • Ab 2018 können Arbeitnehmer bzw. Arbeitgeber bis zu 8 % der Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung West steuerfrei in die betriebliche Altersvorsorge einzahlen, zuvor lag die Grenze bei 4 % – dieser Wert gilt weiterhin für die Sozialversicherungsfreiheit. Der bisherige zusätzliche steuerfreie Höchstbetrag i. H. v. € 1.800,00 wird abgeschafft.
  • Spart der Arbeitgeber im Rahmen einer Entgeltumwandlung Sozialabgaben, besteht bei Neuverträgen (und bei Altverträgen ab 2022) die Verpflichtung, einen Zuschuss zu leisten.
  • Um Geringverdiener mit einer Lohngrenze von € 2.000,00 monatlich beim Aufbau einer betrieblichen Altersvorsorge zu unterstützen, werden Unternehmen mit Steuererleichterungen „belohnt“, die für diese Arbeitnehmer € 240,00 bis € 480,00 jährlich zusätzlich zum Gehalt steuer- und sozialversicherungsfrei in eine betriebliche Altersvorsorge einzahlen: Arbeitgeber erhalten i.R.d. Lohnsteuer-Abführung einen Sofort-Zuschuss von 30% des zusätzlichen Beitrages. Der verbleibende Arbeitgeberbeitrag kann als Betriebsausgabe abgezogen werden.
  • Die Übertragung von vertraglichen unverfallbaren Anwartschaften wird in die Steuerbefreiung mit aufgenommen: Auch die Übertragung von Anwartschaften auf eine betriebliche Altersversorgung, wie z. B. Pensionsfonds, Pensionskasse und Lebensversicherung, auf einen anderen Träger ohne Arbeitgeberwechsel sollen als steuerneutral erachtet werden, solange keine unmittelbaren Zahlungen an den Arbeitnehmer erfolgen.


Radikale Änderungen in der Fondsbesteuerung

Ab dem 01.01.2018 unterliegen (Publikums-)Investmentfonds mit bestimmten Einkünften einem Körperschaftsteuersatz in Höhe von 15 % gemäß dem Investmentsteuerreformgesetz n.F. Der Fondsanleger versteuert die laufenden Ausschüttungen des Fonds, Gewinne aus der Veräußerung der Investmentanteile und die sogenannte Vorabpauschale. Somit werden von nun an Anleger- und Fondsebene besteuert.


Verlängerung der Abgabefristen von Steuererklärungen

Die allgemeine Abgabefrist für Steuererklärungen wird um zwei Monate, also von fünf auf sieben Monate, verlängert. Somit endet die Abgabefrist für Steuerpflichtige, die nicht vom Steuerberater beraten werden und zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind, am 31.07. des Folgejahres bzw. sieben Monate nach dem gesetzlich festgelegten Zeitpunkt.

Diese Änderung betrifft Besteuerungszeiträume ab dem 01.01.2018.


Unangekündigte Kassen-Nachschauen

Ab dem 01.01.2018 sind Finanzbehörden gesetzlich dazu befugt, eine Kassen-Nachschau ohne vorherige Ankündigung bei Einzelhandels- und Dienstleistungsbetrieben während der Geschäfts- und Arbeitszeit durchzuführen.

Geprüft werden Registerkassen, offene Ladenkassen und computergestützte Kassensysteme. Formell ist diese Nachschau keine Außenprüfung, kann jedoch bei festgestellten Mängeln ohne vorherige Prüfungsanordnung zu einer Außenprüfung übergehen.


Verschärfung der Anzeigepflicht von Beteiligungen

Zukünftig gilt für den Erwerb oder die Veräußerung qualifizierter, mittelbarer und unmittelbarer Beteiligungen an ausländischen Gesellschaften ab einer Höhe von 10 % eine Anzeigepflicht.

Hierbei wird die bisherige Meldefrist (5 Monate nach Ende des Kalenderjahres) verlängert: nun erfolgt die Meldung bei Abgabe der Einkommensteuer- bzw. Körperschaft­steuererklärung (spätestens 14 Monate nach Ablauf des Besteuerungszeitraums in dem das Ereignis eingetreten ist).

Wichtig ist auch die neue Pflicht zur Vornahme einer Meldung, wenn der Steuerpflichtig mittelbar oder unmittelbar einen beherrschenden oder bestimmenden Einfluss auf eine Drittstaatengesellschaft hat. Ein Bußgeld von bis zu € 25.000,00 kann eine Pflichtverletzung in diesem Fall nach sich ziehen.


Steuerklassenänderung

Die automatisierte Einreihung von Arbeitnehmern im Falle einer Heirat in die Steuerklasse IV wird nun gesetzlich fixiert. Dies gilt auch, wenn nur einer der beiden Ehegatten berufstätig ist. Die Möglichkeit, einen Antrag auf Steuerklassen­wechsel von III/V zu IV/IV zu stellen, wird es künftig auch geben.


Lizenzschranke

Es wird zukünftig Einschränkungen bei der steuerlichen Abzugsmöglichkeit von Lizenzzahlungen und anderen Aufwendungen für Rechteüberlassungen an nahestehende Personen i.S.d. § 1 Abs. 2 AStG geben, wenn die Einnahmen aufgrund einer „IP-Box, Patentbox oder Lizenzbox“ einer von der Regelbesteuerung abweichenden Ertragsteuerbelastung von weniger als 25% unterliegen (Ausnahme: Nexus-Ansatz).

Der Betriebsausgabenabzug bei dem deutschen zahlenden Unternehmen folgt der Ertragsteuerbelastung beim Empfänger der Zahlung, sodass ggf. keine oder nur eine teilweise Geltendmachung möglich ist.

Ziel dieser Regelung ist die Verhinderung der Verschiebung von Gewinnen durch Lizenzzahlungen multinationaler Unternehmen in Länder mit Präferenzregelungen.

Jörg Bantelmann
Steuerberater